MOVEMENTS OF MIGRATION - Neue Perspektiven auf Migration in Göttingen

Stadt ist Migration – diese Einsicht der Stadtforschung gilt auch für Göttingen. Ohne die verschiedenen Migrationsbewegungen wäre Göttingen heute noch das Dorf, das es ehemals war. Heute haben ca. 18,5% der Göttinger Stadtbevölkerung einen Migrationshintergrund, sie kommen aus 172 Geburtsländern. Göttingen befindet sich hiermit im guten bundesdeutschen Durchschnitt in Sachen Einwanderungsrealität. Doch in den offiziellen Darstellungen der Stadt findet diese Realität kaum Beachtung, vielmehr wird sie von zahlreichen Akteur_innen der Stadtpolitik dethematisiert. Auch verschwindet sie nahezu im Stadtbild, das durch die idyllische Innenstadt und die Universität geprägt ist; ganze Stadtviertel und Lebenswelten, die ungleich migrantischer sind, fallen hierbei aus dem Blick. Wie kann dies passieren?

Movements of Migration hat sich zum Ziel gesetzt, diese verunsichtbarten Realitäten und verdrängten Geschichten der Migration aufzusuchen und sie in der Stadtöffentlichkeit sichtbar zu machen. Dabei interessierten uns nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart der Migration und die stadtpolitischen Versuche, sie zu regulieren.

DER AUSSTELLUNGSPARCOURS
WALK OF MIGRATION, KUNSTVEREIN UND WISSENSARCHIV

Der Ausstellungsparcours durch die Innenstadt, der die Räume des Kunstvereins im Künstlerhaus mit zahlreichen Stationen im Stadtraum verbindet, basiert auf einem eineinhalbjährigen Forschungs- und künstlerischen Umsetzungsprozess. Das Rückgrat bildet ein digitales Wissensarchiv, das alle recherchierten Materialien und Umsetzungen enthält. Im Kunstverein werden verschiedene Installationen zur Stadtplanung, zur Migrationspolitik, zu vergessenen Protesten und Migrationswegen gestern und heute zu sehen sein. Als zentraler Ort fungiert der Archivraum, der zu weiteren eigenen Recherchen einlädt und als Aufforderung gedacht ist, die eigene Geschichte der Migration in das
Wissensarchiv einzuspeisen.

In dem Walk of Migration werden insbesondere die Stimmen der Migration in den öffentlichen Stadtraum getragen. An gekennzeichneten Stationen – beispielsweise am Bahnhof, in der Goetheallee und am Marktplatz – geben Hörstationen, Filme und Collagen Einblicke in die große Bandbreite der Projekte der Migration: Hör- und sehbar werden verschiedenste Geschichten des Aufbrechens und des prekären Ankommens,
Geschichten von migrantischen Initiativen und Protesten wie auch unterschiedliche politische Antworten hierauf.

DIE VERANSTALTUNGSREIHE

Die Veranstaltungsreihe ist ein integraler Bestandteil des Ausstellungskonzepts. In ihr sollen über die Forschung und die Installationen hinaus weitere Themen diskutiert werden. Auch bietet sie die Möglichkeit, andere Formate wie Filmvorführungen oder Lesungen, die die Macht der Bilder und Diskurse zum Thema Migration hinterfragen, miteinzubeziehen. Die Veranstaltungen sollen eine Plattform schaffen, gemeinsam
weiter am Wissensarchiv der Migration zu arbeiten und eine nicht-diskriminatorische Perspektive zu entwickeln.

Die Veranstaltungsreihe basiert auf Kooperationen mit der Bildungsgenossenschaft, dem Integrationsrat, dem Kino Lumière, dem Kunstverein, dem Literarischen Zentrum, der Stiftung Leben und Umwelt und Papiere für Alle.

Hier der flyer (210 kb)

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