Presseerklärung vom 03. August 2012 | Nach 21 Jahren in Deutschland – Göttinger in Abschiebehaft

Presseerklärung vom 03. August 2012

Nach 21 Jahren in Deutschland – Göttinger in Abschiebehaft

Am Mittwoch, den 01. August wurde ein 21-jähriger junger Mann, der seit seinem 4. Lebensmonat in Deutschland lebt, bei einem Termin zur Verlängerung seiner Duldung in der Ausländerbehörde verhaftet und zur Abschiebung nach Hannover gebracht.
Er sollte noch am nächsten Tag nach Pristina (Kosovo) abgeschoben werden, doch gelang es dem Anwalt dies unter Verweis auf den schlechten Gesundheitszustand des jungen Mannes abzuwenden. Nach dem heutigen Haftprüfungstermin sieht es so aus, dass der Göttinger bis zum 7. August in Hannover-Langenhagen in Abschiebehaft bleiben soll. Danach soll die geplante Abschiebung ins Kosovo vollzogen werden. Der Anwalt des Betroffenen will gegen diese Entscheidung gerichtlich vorgehen.

Der 21-jährige gehört zu den Roma und Romni, die aufgrund von Krieg und rassistischer Verfolgung im ehemaligen Jugoslawien in verschiedene europäische Länder geflüchtet waren.
Seit dem sogenannten Rückübernahmeabkommen zwischen Deutschland und Kosovo wurden und werden von den deutschen Behörden immer wieder Angehörige der Roma-Minderheit in die elenden und menschenunwürdigen Lebensbedingungen ins Kosovo abgeschoben.
Allein in Stadt- und Landkreis Göttingen sind rund 400 seit langem hier ansässige Roma und Romni ständig von der Gefahr des Abgeschobenwerdens bedroht.
Die zuständigen Göttinger Ausländerbehörden von Stadt- und Landkreis setzen die gnadenlose Flüchtlingspolitik des CDU Innenministers Schünemann gerne ohne die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit um. Resolutionen gegen die Abschiebungen von Roma und Romni ins Kosovo, wie die des Göttinger Stadtrates, werden somit zu reinen Lippenbekenntnissen. Der institutionelle Rassismus wird ununterbrochen weiter praktiziert.

Der AK Asyl verurteilt aufs Schärfste die Gewalt gegen einen Mitmenschen, der

-seit 20 Jahren hier in Göttingen / Deutschland lebt

-hier aufgewachsen, sozialisiert und in Freundeskreise eingebunden ist,

-das Land, in das er abgeschoben werden soll, nicht kennt,

-die dortige Sprache nicht beherrscht,

-als Angehöriger der Minderheit der Roma / Ashkali rassistische
Diskriminierung zu befürchten hat.

Der AK Asyl fordert die Behörden zur sofortigen Freilassung des Göttingers und zur Gewährung eines dauerhaften Bleiberechts für ihn und seine Familie auf.
Der AK Asyl ruft alle Göttinger_innen dazu auf, sich gegen rassistische Verhaltensweisen innerhalb und außerhalb von Behörden solidarisch zur Wehr zu setzen.

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