2.2.09 // Jahresbericht der Abschiebungsbeobachtung Rhein-Main erschienen

Dramatische Lebensgeschichten und Schicksale

FRANKFURT.- Dramatische Lebensgeschichten und Schicksale verbergen sich hinter der Abschiebung von Flüchtlingen und Asylbewerbern am Frankfurter Flughafen. Das bestätigt der zweite Jahresbericht 2007/2008, den die Abschiebungsbeobachterinnen der katholischen und evangelischen Kirche am Frankfurter Flughafen jetzt vorgelegt haben. Im Jahr 2007 wurden 4500 Menschen abgeschoben, 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Rund 300 Abschiebungen wurden im Berichtsjahr von den Abschiebungsbeobachterinnen begleitet.

[Den Bericht finden Sie am Ende des Textes zum Download oder auf der Seite: http://frankfurt.bistumlimburg.de]

Seit 2006 finanzieren die katholische und die evangelische Kirche mit Unterstützung der UNO Flüchtlingshilfe e.V. eine Abschiebungsbeobachtung. Sie hat das Ziel, Transparenz im Verfahren von Abschiebungen herzustellen und humanitäre Ansprüche zu gewährleisten. Unterstützt und begleitet wird diese Aufgabe von einem Forum, dessen Vertreter von Kirchen, Bundespolizei, Pro Asyl, amnesty international und vom hessischen Flüchtlingsrat ernannt sind. Dabei hat sich die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Bundespolizei, die in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut wurde, selbst bei kontroversen Auffassungen bewährt. Die Träger bedauern allerdings, dass das Innenministerium im Forum Abschiebebeobachtung noch immer nicht vertreten ist. Diese Mitwirkung wird als dringend notwendig erachtet.

Der Jahresbericht gibt Einblick in zahlreiche Schicksale. Jeder der geschilderten Vorgänge begründet die Notwendigkeit der Abschiebungsbeobachtung. Warum fällt die serbische Familie, die seit Jahren hier lebt, ein Einkommen besitzt und nicht straffällig geworden ist, nicht unter die Bleiberechtsregelung und wird abgeschoben? Wieso wird die Abschiebung eines jungen Chinesen vollzogen, obwohl er das Sorgerecht für seine beiden Kinder mit deutschem Pass besitzt? Besonders problematisch waren: Trennungen von Familien, Abschiebung nach langjährigem Aufenthalt, Kranke mit Arztbegleitung und Menschen, bei denen Abschiebungen gescheitert sind. Stresssituationen sind programmiert und erfordern hohe Sensibilität aller Beteiligten. Vermehrt bitten Flüchtlingsinitiativen oder Anwälte darum, eine Abschiebung zu beobachten. Besonders aufmerksam werden auch Abschiebungen in Krisenregionen wie Afghanistan, Irak und Sri Lanka beobachtet. (erv)

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