Rapper Afro Hesse ist frei aber ohne sicheren Aufenthaltsstatus

Pressemitteilung und Konzertankündigung von freeafro[at]riseup.net

Rapper Afro Hesse ist frei aber ohne sicheren Aufenthaltsstatus Kreuzberger Rapper positionieren sich gegen Rassismus und Abschiebungen Solidaritätskonzert am Mittwoch, den 29. Oktober ab 18 Uhr im SO 36 in Kreuzberg - Berlin

Die letzten 5 Jahre lebte Afro Hesse ohne Papiere in Deutschland. Er hat diese Situation jedoch nie akzeptiert. Er ist mit dem Thema seiner "Illegalisierung" durch die deutschen Ausländerbehoerden mit seiner Musik in die Öffentlichkeit gegangen. Damit spricht er für 500.000 bis 1.500.000 Menschen ohne Papiere, deren fundamentale Menschenrechte in Deutschland systematisch missachtet werden. Wie Afro Hesse werden viele Menschen zu "Illegalen" gemacht, weil ihr Visum ausläuft, ein Aufenthaltstitel verweigert wird etc.

Diese Menschen leben weiterhin hier - wie dies auch Afro Hesse getan hat. Sie fordern ihre unveräußerlichen Menschenrechte wie z.B. auf medizinische Versorgung, Schulbildung und gerechten Lohn ein.

Für die erzwungene Zeit im Abschiebeknast soll Afro Hesse jetzt auch noch über 1.000 € bezahlen. Außerdem will die Ausländerbehörde ihn zwingen, nach Algerien auszureisen. Er ist verlobt, aber selbst die Eheschließung will die Behörde nicht abwarten. Von Algerien aus soll er seine Wiedereinreise betreiben.

Das sind weitere Schikanen für Afro Hesse und wir zeigen volle Solidarität.

Wir fordern: Papiere für alle! Kein Mensch ist illegal!

Zum Hintergrund: Vom 2. August bis 16.Oktober 2008 saß der Darmstädter Rapper Afro Hesse in Berlin im Gefängnis. Zunächst war er in Moabit in Untersuchungshaft. Am 25. September 2008 wurde er wegen "illegalen Aufenthalts" seit 2003 zu einem halben Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt und direkt in den Abschiebeknast Berlin Köpenick verlegt. Festgenommen wurde er wegen eines kleineren Delikts, das im Normalfall überschaubare Konsequenzen gehabt hätte und für das auch Afro Hesse vor Gericht freigesprochen wurde.

Die weiteren Auswirkungen für Afro Hesse waren jedoch andere: Er besitzt keinen deutschen Pass und war, weil er keine Papiere hatte, offiziell ohne festen Wohnsitz. Deshalb kam er zunächst in Untersuchungshaft und dann in den Abschiebeknast.

Am Donnerstag, 16. Oktober wurde er aus der Abschiebehaft entlassen. Zurzeit hat er eine einwöchige Duldung mit Residenzpflichtauflage. Sein Aufenthalt ist damit völlig ungesichert.

Der aus Algerien stammende Musiker floh mit seiner Familie als Kind vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland und besuchte in Darmstadt die Schule. Nachdem er 13 Jahre mit seiner Familie in Deutschland gelebt hatte, wurde seine Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert, sein Pass eingezogen und seine Abschiebung angekündigt, in ein Land, zu dem er schon lange keinen Bezug mehr hat. Mehrere Asylanträge wurden von der Darmstädter Ausländerbehörde abgelehnt, woraufhin er keine andere Alternative mehr sah, als unterzutauchen.

Es folgten fünf Jahre illegalisierten Aufenthalts in Deutschland, in denen sich Afro Hesse trotz aller Schwierigkeiten weiter der Musik widmete und zwei Alben veröffentlichte. "Der verschollene Immigrant" und "Mehr als Musik" setzen sich intensiv mit dem Leben als Papierloser in Deutschland auseinander und auch in diversen Fernseh- und Zeitungsbeiträgen nahm Afro Hesse Stellung zu seiner Situation als "verschollener Immigrant".
Ohne festen Wohnsitz, Krankenversicherung, die Möglichkeit einer Anstellung und somit finanzieller Sicherheit, teilte er das Schicksal von bis zu 1,5 Millionen Menschen in Deutschland, die von der Bürokratie als "illegal" bezeichnet werden und ohne Papiere schutz- und rechtlos sind.

Afro-Hesse verhaftet!

Für Rückfragen: freeafro[at]riseup.net

Solikonzert am 29.10. 2008 um 18 Uhr im SO36
Mehr Informationen dazu:

http://afro-hesse.de
http://36kingz.com
http://de.youtube.com/watch?v=cgB5P3VQ1VQ

Spendenkonto:
Rote Hilfe Berlin Kontonummer: 71895 90 600
Stichwort: Afro Hesse
Berliner Bank
BLZ 100 200 00

Mit dem Erlös des Abends sollen Kosten gedeckt werden, die durch die Haft entstanden sind und noch entstehen werden.

Berlin, den 26. Oktober 2008

bleiberecht!: